• 20Jun

    Falls sich jemand gefragt hat, warum sich hier in der letzten Zeit nichts getan hat: Ich habe die letzten Wochen in erster Linie damit verbracht, für meine Abschlussprüfungen zu lernen. Diese sind nun passé, und seit kurzem bin ich lic.rer.soc. (was immer das auch heisst).

    Ich habe mich ja im Rahmen meiner Lizentiatsarbeit sehr intensiv mit dem Thema “virale Videos” beschäftigt. Ich habe für meine Arbeit zwar eine sehr gute Bewertung erhalten, ich muss aber selbst eingestehen, dass ich das “Erfolgsrezept” für virale Videos nicht gefunden habe. Und ich dachte auch lange, dass es kein solches gibt. Nun habe ich aber bei “Nummer 15” ein Video von einem Vortrag gesehen, der eine ganz andere Sprache spricht: Es gibt sehr wohl eine Erfolgsformel für virale Videos. Und Doug Zonker von der University of Washington hat sie entdeckt. Hier das PDF zu seiner brillanten Arbeit, und hier das Video:

  • 01Apr

    Es ist eines der erfolgreichsten viralen Videos der letzten Monate: “Iraqi Journalist Throws Shoe at Bush”:

    Bereits kurze Zeit später waren die Wurfgeschosse identifiziert: Es handelt sich um das Modell Nr. 271 aus Ramazan Baydan’s Schuhfabrik in Istanbul. Der Schuhhersteller reagierte schnell und taufte das Modell Nr. 271 in “Bye Bye Bush” um. Die Verkäufe nahmen rasant zu: Wie die letzte Ausgabe der NZZ am Sonntag berichtet, sei der Umsatz des Schuh-Herstellers aus Istanbul um 500 Prozent gestiegen. Gemäss einem BBC-Artikel musste Baydan kurzfristig 100 neue Mitarbeiter einstellen.

    Irgendwie kam ich beim Lesen dieser Artikel auf den Gedanken, dass die “heldenhafte” Aktion des irakischen Journalisten eigentlich geniales Guerilla-Marketing für den türkischen Schuhhersteller war: Vorher konnte Baydan vielleicht knapp ein paar Inserate in Lokalzeitungen bezahlen, dank der Schuhwurf-Aktion war sein Modell Nr. 271 auf einen Schlag weltweit bekannt. Und siehe da: es war tatsächlich eine Guerilla-Aktion, wie der Schuhhersteller nun in einem Bericht von BBC zugab: Die Idee sei von seinem Sohn Mustafa gekommen, der in Istanbul Marketing studiere. Er machte seinem Vater klar, dass Zeitungswerbung nichts bringe und dass er stattdessen auf alternative Werbeformen setzen solle. Über einen Kommilitonen von Mustafa kam der Kontakt zum irakischen Journalisten Muntadhar az-Zaidi zustande. Gegen die Bezahlung von umgerechnet 7600 Euro (Baydan’s gesamten Werbebudget für 2009 und 2010) erklärte sich dieser bereit, zwei Schuss Modell Nr. 271 gegen Bush zu feuern. Bis az-Zaidi von seinem fürstlichen Honorar (als Reporter müsste er dafür zwei Jahre lang arbeiten) Gebrauch machen kann, geht es aber noch eine Weile: Er sitzt für drei Jahre im Gefängnis.

  • 21Mar

    Ende Januar habe ich hier über einen personalisierbaren Viralspot zur Abstimmung über die erweiterte Personenfreizügigkeit berichtet. Mittlerweile ist die Abstimmung entschieden (die Vorlage wurde angenommen) und vor einigen Tagen veröffentlichten das Institut für Politikwissenschaft der Uni Bern und das Forschungsinstitut gfs.bern eine Analyse zum Stimmverhalten. Ein Teil dieser Studie widmet sich anscheinend auch dem eingangs erwähnten Viralspot, wie tagesanzeiger.ch berichtet: “Web-Video mit Clerc war ein cleverer Schachzug” wird dort getitelt.

    Gemäss der Studie hat jeder siebte Urnengänger das zwei Wochen vor der Wahl veröffentlichte Video gesehen, was eine ziemlich stolze Zahl ist. “Wer es sah”, berichtet der Tagi weiter, “ging etwas häufiger an die Urne und stimmte überdurchschnittlich häufig ja”. Diese Aussage gilt es allerdings mit Vorsicht zu geniessen: Hier wird zwar eine Korrelation bewiesen, aber keine Kausalität. Die Ergebnisse tönen aber auf jeden Fall spannend – mal schauen ob ich irgendwo noch weitere Informationen zu dieser Studie finde.

  • 05Mar

  • 03Mar

    Ein sehr schönes Beispiel für “virales Trittbrettfahren”: Vor einigen Wochen hat Heineken einen äusserst amüsanten Werbespot auf dem Internet veröffentlicht (sh. Video unten). Das Video verbreitete sich wie ein Lauffeuer und wurde bis heute fast 5 Millionen mal angeschaut. Sehr lange hielt es Spitzenplätze in den “Top in 24 hours”- und “Top in 7 days”-Ranglisten auf Viral Video Chart.

    Fast noch besser ist aber der “Spoof” von der Konkurrenz-Marke “Bavaria”. Aus “Walk-in Fridge” wird “Lock-in Fridge”:

    Dieses Video hat zwar bis jetzt erst etwas mehr als 60′000 Views erreicht, wurde aber auch erst vor 4 Tagen veröffentlicht. Es ist abzusehen, dass der Bavaria-Spot in den nächsten Tagen und Wochen auch zum Videovirus mutieren und auf ähnliche Zahlen kommen wird wie das Original von Heineken.

    (via @markusvonroder)

  • 27Feb

    Gestern, 26. Februar 2009, 9 Uhr 30 mitteleuropäische Zeit: Ich befinde mich im Dekanat der Universität Fribourg, ziehe zwei dicke Dossiers und eine CD-ROM aus meiner Tasche und übergebe sie dem Prüfungsbeauftragten der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät. Dieser bedankt sich, ich frage: “war das alles?”, er sagt: “ja” und ich verabschiede mich. Für mich ist die Reise zu Ende, jetzt muss sich mein Professor mit meiner Arbeit auseinandersetzen (und sie benoten). 

    Falls sonst noch irgendjemand Interesse an meinen Forschungsergebnissen hat: Bitte ein Mail an daniel.gremli(at)unifr.ch

  • 07Feb

    Die “Arbeitsgemeinschaft Social Media” hat in einem Call for Posts zu Ideen und Beiträgen zum Thema “Relevanzmasse für Social Media” aufgerufen. Ich habe mich bei meiner Lizentiatsarbeit mit den Nachrichtenfaktoren beschäftigt und untersucht, inwiefern sich diese auf virale Videos anwenden lassen. Da virale Videos auch in das Feld “Social Media” gehören, will ich hier einen Versuch wagen, meine “two cents” zu diesem Call for Posts zu geben und darzulegen, dass die Nachrichtenfaktoren ein interessantes Relevanzmass für Social Media im Allgemeinen sein könnten.

    Was sind Nachrichtenfaktoren?
    Ohne hier die ganze Nachrichtenwertforschung aufrollen zu wollen: Die ursprüngliche Idee hinter dieser Theorie war die folgende: Je höher der Nachrichtenwert eines Ereignisses, desto grösser die Chance, dass dieses zur Nachricht wird. Und je stärker ausgeprägt die Nachrichtenfaktoren bei einem Ereignis sind, desto höher dessen Nachrichtenwert. Es gibt diverse verschiedene Kataloge von Nachrichtenfaktoren, eine gute Übersicht gibt dieser Artikel auf Seite 13. 
    Christiane Eilders stellte 1997 fest, dass die Nachrichtenfaktoren auch auf die Rezeptionsseite übertragen werden können: Sie ging davon aus, dass es sich bei Nachrichtenfaktoren um Relevanzindikatoren handelt, welche die Relevanz eines Ereignisses oder Sachverhaltes anzeigen und so die Aufmerksamkeit der Rezipienten steuern. 

    Nachrichtenfaktoren und Social Media
    Will man nun diese Theorie auf Social Media übertragen, stellt sich zuerst die Frage, was die Untersuchungseinheiten sind. Mein Vorschlag wäre: die einzelnen Botschaften, also Blog-Posts, Tweets, etc. Dann könnte man untersuchen, welche Nachrichtenfaktoren beispielsweise in einem Blog-Post identifiziert werden können und wie stark diese ausgeprägt sind. Je mehr Nachrichenfaktoren und je stärker deren Ausprägung, desto höher die Relevanz eines Blog-Posts. 
    Im Vergleich zu den klassischen (quantitativen) Reichweitenmassen im Web (Page Impressions etc.) gibt es bei den Nachrichtenfaktoren zwei grosse Unterschiede: Die Nachrichtenfaktoren sind ein qualitatives Mass und sie beziehen sich auf die Sender-Seite, also auf das Angebot. Ob eine Botschaft von hohem Nachrichtenwert auch viele Rezipienten erreicht, ist eine andere Frage. Eine Frage, die wissenschaftlich beantwortet werden kann.

    Auswirkungen eines hohen Nachrichtenwerts
    Ein zentrales Merkmal der Social-Media-Kommunikation ist, dass sich die Nutzer aktiv einbringen (und nicht nur passiv konsumieren). Wenn man nach Relevanzmassen für die Rezipienten-Seite sucht, sollte man dies beachten. Ein Tweet, beispielsweise, kann also dann als relevant angesehen werden, wenn er viele Rezipienten dazu bringt, aktiv zu werden. 
    Ich will hier kurz auf einen Zusammenhang eingehen, auf den ich bei den Recherchen für meine Lizentiatsarbeit gestossen bin (allerdings ohne hier die ganze wissenschaftliche Argumentation bis ins Detail zu beschreiben): Nachrichtenfaktoren sind Relevanzindikatoren. Relevanz erzeugt beim Rezipienten Betroffenheit, er wird also emotional aktiviert. Und gemäss der Theorie vom Sozialteilen von Emotionen lösen Emotionen interpersonelle Kommunikation aus. Im Fall eines viralen Videos könnte dieses zum Beispiel an Bekannte weitergeleitet werden. Ein Tweet könnte “retweeted” werden, ein Blogpost beispielsweise per Twitter weiterempfohlen. Allgemein gesagt: Eine Botschaft von hohem Nachrichtenwert bringt die Rezipienten dazu, kommunikativ aktiv zu werden. Und das ist ja – wie oben erwähnt – genau das, was Social Media ausmacht.

    Soweit also meine Gedanken zum Thema “Relevanzmasse für Social Media”. Ist das ein interessanter Ansatz oder liege ich damit völlig daneben?

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