Die “Arbeitsgemeinschaft Social Media” hat in einem Call for Posts zu Ideen und Beiträgen zum Thema “Relevanzmasse für Social Media” aufgerufen. Ich habe mich bei meiner Lizentiatsarbeit mit den Nachrichtenfaktoren beschäftigt und untersucht, inwiefern sich diese auf virale Videos anwenden lassen. Da virale Videos auch in das Feld “Social Media” gehören, will ich hier einen Versuch wagen, meine “two cents” zu diesem Call for Posts zu geben und darzulegen, dass die Nachrichtenfaktoren ein interessantes Relevanzmass für Social Media im Allgemeinen sein könnten.
Was sind Nachrichtenfaktoren?
Ohne hier die ganze Nachrichtenwertforschung aufrollen zu wollen: Die ursprüngliche Idee hinter dieser Theorie war die folgende: Je höher der Nachrichtenwert eines Ereignisses, desto grösser die Chance, dass dieses zur Nachricht wird. Und je stärker ausgeprägt die Nachrichtenfaktoren bei einem Ereignis sind, desto höher dessen Nachrichtenwert. Es gibt diverse verschiedene Kataloge von Nachrichtenfaktoren, eine gute Übersicht gibt dieser Artikel auf Seite 13.
Christiane Eilders stellte 1997 fest, dass die Nachrichtenfaktoren auch auf die Rezeptionsseite übertragen werden können: Sie ging davon aus, dass es sich bei Nachrichtenfaktoren um Relevanzindikatoren handelt, welche die Relevanz eines Ereignisses oder Sachverhaltes anzeigen und so die Aufmerksamkeit der Rezipienten steuern.
Nachrichtenfaktoren und Social Media
Will man nun diese Theorie auf Social Media übertragen, stellt sich zuerst die Frage, was die Untersuchungseinheiten sind. Mein Vorschlag wäre: die einzelnen Botschaften, also Blog-Posts, Tweets, etc. Dann könnte man untersuchen, welche Nachrichtenfaktoren beispielsweise in einem Blog-Post identifiziert werden können und wie stark diese ausgeprägt sind. Je mehr Nachrichenfaktoren und je stärker deren Ausprägung, desto höher die Relevanz eines Blog-Posts.
Im Vergleich zu den klassischen (quantitativen) Reichweitenmassen im Web (Page Impressions etc.) gibt es bei den Nachrichtenfaktoren zwei grosse Unterschiede: Die Nachrichtenfaktoren sind ein qualitatives Mass und sie beziehen sich auf die Sender-Seite, also auf das Angebot. Ob eine Botschaft von hohem Nachrichtenwert auch viele Rezipienten erreicht, ist eine andere Frage. Eine Frage, die wissenschaftlich beantwortet werden kann.
Auswirkungen eines hohen Nachrichtenwerts
Ein zentrales Merkmal der Social-Media-Kommunikation ist, dass sich die Nutzer aktiv einbringen (und nicht nur passiv konsumieren). Wenn man nach Relevanzmassen für die Rezipienten-Seite sucht, sollte man dies beachten. Ein Tweet, beispielsweise, kann also dann als relevant angesehen werden, wenn er viele Rezipienten dazu bringt, aktiv zu werden.
Ich will hier kurz auf einen Zusammenhang eingehen, auf den ich bei den Recherchen für meine Lizentiatsarbeit gestossen bin (allerdings ohne hier die ganze wissenschaftliche Argumentation bis ins Detail zu beschreiben): Nachrichtenfaktoren sind Relevanzindikatoren. Relevanz erzeugt beim Rezipienten Betroffenheit, er wird also emotional aktiviert. Und gemäss der Theorie vom Sozialteilen von Emotionen lösen Emotionen interpersonelle Kommunikation aus. Im Fall eines viralen Videos könnte dieses zum Beispiel an Bekannte weitergeleitet werden. Ein Tweet könnte “retweeted” werden, ein Blogpost beispielsweise per Twitter weiterempfohlen. Allgemein gesagt: Eine Botschaft von hohem Nachrichtenwert bringt die Rezipienten dazu, kommunikativ aktiv zu werden. Und das ist ja – wie oben erwähnt – genau das, was Social Media ausmacht.
Soweit also meine Gedanken zum Thema “Relevanzmasse für Social Media”. Ist das ein interessanter Ansatz oder liege ich damit völlig daneben?
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