Das gemäss “Viral Video Chart” viralste Video der letzten Tage ist eine Bierwerbung für Heineken: Bei der Hausbesichtigung kann sich eine Gruppe von Frauen kaum halten, als ihnen von der glücklichen Bewohnerin ihr begehbarer Kleiderschrank gezeigt wird. Gleichzeitig wird den Männern ein begehbarer Kühlschrank präsentiert, gefüllt mit Heineken. Ihre Reaktion steht den Frauen in nichts nach. Ein bloggender Werber schreibt dazu: “Reduziert man diesen Heineken-Spot auf seine Botschaft, so ist sie recht simpel, ja fast trivial: Männer lieben Heineken.”
Um hier den alten Bosch-Slogan zu bemühen: Genial einfach. Einfach genial. Solche Ideen machen Videos zu Viren. Doch was macht man, wenn man keine geniale Idee hat, aber trotzdem einen Videovirus lancieren will? Ganz einfach: man schaut ab. Auf YouTube werden pro Minute 13 Stunden Videomaterial veröffentlicht, da gibt es endlos viel Inspiration. YouTube ist ein kulturelles Phänomen, das seine eigenen Stars produziert, die innerhalb der Community über grosses Ansehen verfügen. Wieso nicht solche Leute für die eigene Kampagne einspannen?
Ein Beispiel: Der Videoclip zum Song “Pork and Beans” der Band “Weezer” war eines der erfolgreichsten virales Video des letzten Jahres. In den ersten 5 Tagen nach der Veröffentlichung wurde dieses Video 3.5 Millionen mal angeschaut – und dies bevor es überhaupt auf MTV lief. Das Konzept: Man packte einfach fast die ganze YouTube-Prominenz in das Video. Klar: Wer nur einmal im Monat auf dem Internet ist, kann mit einem solchen Video wenig anfangen. Wenn ein Osteoporose-Medikament beworben werden soll, wäre diese Strategie also wohl nicht die beste Wahl.
Ein weiteres Beispiel: “Where the Hell is Matt?” – Ein junger Mann macht eine Asien-Reise und kommt irgendwann auf die Idee, sich an verschiedensten Orten filmen zu lassen, wie er seinen trotteligen Tanz macht. Sein Video, 2005 veröffentlicht, verbreitet sich viral. Die Kaugummifirma “Stride” wird auf Matt aufmerksam und bezahlt ihm eine weitere Reise. Einzige Bedingung: Er muss daraus wieder ein Video machen und darin das “Stride”-Logo ein paar mal kurz einblenden. Das Resultat wird zum viralen Grosserfolg, ebenso wie sein drittes Video, auch von Stride finanziert. Natürlich taucht hier “Stride” nur am Rande auf. Man nimmt die Marke aber trotzdem wahr (und zwar in einem sehr positiven Umfeld), und vielleicht denkt man sich dabei, dass es ziemlich cool ist von Stride, so was zu unterstützen.
Und zuletzt noch ein ganz aktuelles Beispiel: Bei “The Evolution of You!” trifft eines der erfolgreichsten YouTube-Videos seit bestehen der Plattform auf eine der erfolgreichsten viralen Kampagenen aller Zeiten: “Evolution of Dance” meets “ElfYourself“. Das Resultat: Der Protagonist aus “Evolution of Dance” zeigt ein paar neue Moves, daneben tanzen zwei animierte Puppen, bei denen man sein eigenes Foto einsetzen kann. Die Marketingverantwortlichen der Firma ”Saveology” haben hier also alle Register gezogen und haben dabei nicht vergessen, auch dem werbenden Unternehmen genügend Platz einzuräumen. Soviel Platz allerdings, dass das Ganze schon ziemlich penetrant und aggressiv daherkommt – was dann der Marke wohl eher mehr schadet als nützt.
Fazit:
1. YouTube-Trittbrettfahren kann viel Aufmerksamkeit bringen.
2. Viel Aufmerksamkeit heisst aber nicht, dass man die richtigen Leute erreicht.
3. Und viel Aufmerksamkeit heisst auch nicht, dass die Marke davon profitiert.
Ein paar Inspirationsquellen:
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