Welche Faktoren tragen dazu bei, dass sich ein Videoclip unter Internet-Nutzern viral verbreitet? Im Rahmen meiner Lizentiatsarbeit an der Universität Fribourg (Schweiz) versuche ich dieser Frage auf den Grund zu gehen. In diesem Blog präsentiere ich interessante Ideen, Studien und Videos, auf die ich bei meiner Recherche stosse. Weitere Informationen zu meinem Projekt finden Sie hier.
Nachdem dieses Jahr bereits in Paris und New York Awards für virale Videos vergeben wurden, gibt es nun auch im deutschsprachigen Raum einen solchen Wettbewerb: “forward”. Im Rahmen des 24. Interfilm Kurzfilmfestivals in Berlin (4.-9. November) werden sowohl eine Jury als auch das Online-Publikum aus 24 vorselektionierten Virals ihren Favoriten krönen. Zugelassen wurden Videos, die folgende Kriterien erfüllen:
“Sie müssen speziell für das Abspielen im Internet konzipiert sein
Sie müssen die Absicht haben, sich viral zu verbreiten
Sie müssen für/gegen etwas werben und/oder eine Botschaft vermitteln
Sie dürfen nicht älter als zwei Jahre und nicht länger als 10 Minuten sein” (Quelle)
“Der Musiksender MTV öffnet seine Archive. Seit Dienstag sind auf MTV.com rund 16′000 Videos online und frei zugänglich.” Das berichtet tagesanzeiger.ch heute. Natürlich – wie bei YouTube – mit Kommentar-, Rating- und Share-Funktion. Aber MTV geht sogar noch einen Schritt weiter: “Auf der Site developer.mtvnservices.com kann MTV-Content in Applikationen wie MySpace oder Facebook eingebunden werden. So hat der Musikinteressierte die Möglichkeit, einzelne Videos oder ganze Galerien zu verknüpfen und zu verschicken.” Da gibts gar nichts mehr beizufügen. Ich finds toll.
Doch, etwas habe ich noch anzumerken: Statt auf mtv.com würde ich gleich auf mtvmusic.com gehen.
Wir schauen uns im Internet Videoclips an, um uns damit zu unterhalten. Dies einfach mal so als Annahme, völlig allgemein und wissenschaftlich nicht fundiert. Aber gut geeignet als Startpunkt für ein bisschen Theorie: Wenn “Unterhaltung” eine zentrale Funktion von viralen Videos ist, dann finden wir vielleicht in der Unterhaltungsforschung einige interessante Antworten darauf, wie solche Videos funktionieren.
Die Medien- und Kommunikationswissenschaftler, die sich mit dem Thema Unterhaltung befassen, untersuchen dieses meist aus der Perspektive des Mediums Fernsehen. Auch wenn TV-Konsum und das Anschauen von Videos auf dem Netz nicht dasselbe sind: Es gibt einige Erkenntnisse aus der Unterhaltungsforschung, die auch für mein Forschungsthema interessant sind:
Über 25 Millionen mal wurde dieses Video auf Youtube angeschaut. Es ist eines der erfolgreichsten viralen Videos, die je produziert wurden. Und damit ein schöner Einstiegsbeitrag für dieses Blog (zu dem es übrigens hier mehr zu erfahren gibt).
Das Ronaldinho-Video ist ein Werbespot für Nike Football. Es wurde im Vorfeld der Weltmeisterschaft 2006 produziert und ausschliesslich ausschliesslich auf dem Internet veröffentlicht. Es ist davon auszugehen, dass die meisten Betrachter das Video nicht direkt auf Youtube gefunden haben, sondern über Blogs, E-Mails oder Instant-Messaging-Programme darauf aufmerksam gemacht wurden. Es gab also Leute, die das Video so gut fanden, dass sie es freiwillig weiterempfohlen haben. Diese Leute wurden zu Überträgern, und das Ronaldinho-Video mutierte zu einem Virus, mit dem Millionen von Internet-Nutzern infiziert wurden.
Wie kam es so weit? War das Video so erfolgreich, weil niemand so richtig wusste, ob es “echt” ist oder ob da digital etwas nachgeholfen wurde? Wäre es auch so oft angesehen worden, wenn statt Ronaldinho irgend ein No-Name-Kicker zaubern würde?
Gibt es ein Rezept für solche Erfolge? Gibt es bestimmte Merkmale, die das Ronaldinho-Video mit anderen erfolgreichen Viral-Clips teilt? Welche Zutaten tragen dazu bei, dass aus einem Video ein virales Lauffeuer wird?
Und hat dieser virale Erfolg der Marke Nike auch wirklich etwas gebracht? Konnte der Absatz von Fussball-Artikeln durch das Ronaldinho-Video gesteigert werden? Oder sind solche Filmchen zwar lustig anzusehen, bringen aber der Marke, die dahintersteht, nichts zählbares?
Das sind viele Fragen. Der Abgabetermin für meine Lizentiatsarbeit ist der 3. Februar 2009. Bis dahin werde ich versuchen, möglichst viele dieser Fragen zu beantworten. In diesem Blog werde ich meine Suche nach Antworten dokumentieren. Und freue mich dabei natürlich über jeden Kommentar und jede Anregung.
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