Seit einiger Zeit kursiert ein Video im Netz, das zu heftigen Echtheits-Spekulationen geführt hat: THE BEST AIR RACE PILOT EVER!!! Vor zwei Tagen wurde das Geheimnis in der ProSieben-Sendung Galileo gelüftet: Es handelt sich um einen Fake. Und: Das Video wurde von Galileo in Auftrag gegeben, um zu zeigen, wie sich Gerüchte verbreiten. Die Sendung kann hier angeschaut werden (der Gerüchte-Beitrag startet bei 11:15).
Hinter der Idee steckt die Hamburger Viralmarketing-Agentur DSG. Im Agentur-Blog gibt es eine interessante Schilderung des Projektes mit eindrücklichen Zahlen. Auf drei Punkte aus diesem Blog-Artikel will ich kurz eingehen:
Emotionen: “Aus unserer Erfahrung haben wir folgendes gelernt: Um ein Gerücht erfolgreich zu lancieren, sollte es beim Empfänger ein Gefühl auslösen.” Es sei dabei egal, welche Emotion stimuliert werde. Damit Mundpropaganda angeregt würde, sollte der Betrachter das Erfahrene entweder als besonders positiv oder als besonders negativ empfinden. Dies bestätigt auch die Wissenschaft: Emotionen lösen das Bedürfnis aus, sich mitzuteilen (oder im Falle eines viralen Videos dieses weiterzuleiten). Allerdings muss es sich dabei nicht zwingend um positive oder negative Emotionen handeln: Die meisten viralen Videos spielen mit der Emotion der Überraschung, die neutral ist. Oft wird Überraschung aber mit anderen Emotionen kombiniert, beispielsweise mit Freude, was dann zu einer “positiven Überraschung” führt – was wohl auch im Piloten-Video der Fall ist: Der Betrachter ist positiv überrascht, dass der Pilot trotz dem Verlust eines Flügels die Landung noch schafft.
Seeding: Wenn eine Viralmarketing-Agentur ein Video macht, wird dieses nicht einfach auf YouTube publiziert und damit hat sichs. Es wird “geseedet”, das heisst, dass der Link zum Video an Multiplikatoren verschickt wird (Blogs, Websites, etc.), die dazu beitragen sollen, dass sich das Video viral verbreitet. DSG machte mit dem Piloten-Video den Test: Eine Version des Clips wurde auf YouTube publiziert und sich selbst überlassen, bei einer zweiten Version wurde der Link international geseedet. Ergebnis: Etwa 180′000 Views für Version 1, über 3 Millionen Views für Version 2 bis heute.
Begleitmassnahmen: Um die Diskussionen über die Echtheit des Videos anzuheizen, haben die Macher die Landung des Flugzeugs absichtlich etwas unrealistisch erscheinen lassen. Wenn ein zweifelnder Betrachter auf die Suche nach weiteren Informationen macht, findet er beim YouTube-Video unter “Keywords” den Namen James Andersson. Googelt man diesen nun, findet man tatsächlich eine Homepage, wo sich der waghalsige Pilot vorstellt. Als weitere Begleitmassnahme für dieses Gerücht hat DSG für James Andersson auch einen Twitter-Account erstellt.
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