Es ist eines der erfolgreichsten viralen Videos der letzten Monate: “Iraqi Journalist Throws Shoe at Bush”:
Bereits kurze Zeit später waren die Wurfgeschosse identifiziert: Es handelt sich um das Modell Nr. 271 aus Ramazan Baydan’s Schuhfabrik in Istanbul. Der Schuhhersteller reagierte schnell und taufte das Modell Nr. 271 in “Bye Bye Bush” um. Die Verkäufe nahmen rasant zu: Wie die letzte Ausgabe der NZZ am Sonntag berichtet, sei der Umsatz des Schuh-Herstellers aus Istanbul um 500 Prozent gestiegen. Gemäss einem BBC-Artikel musste Baydan kurzfristig 100 neue Mitarbeiter einstellen.
Irgendwie kam ich beim Lesen dieser Artikel auf den Gedanken, dass die “heldenhafte” Aktion des irakischen Journalisten eigentlich geniales Guerilla-Marketing für den türkischen Schuhhersteller war: Vorher konnte Baydan vielleicht knapp ein paar Inserate in Lokalzeitungen bezahlen, dank der Schuhwurf-Aktion war sein Modell Nr. 271 auf einen Schlag weltweit bekannt. Und siehe da: es war tatsächlich eine Guerilla-Aktion, wie der Schuhhersteller nun in einem Bericht von BBC zugab: Die Idee sei von seinem Sohn Mustafa gekommen, der in Istanbul Marketing studiere. Er machte seinem Vater klar, dass Zeitungswerbung nichts bringe und dass er stattdessen auf alternative Werbeformen setzen solle. Über einen Kommilitonen von Mustafa kam der Kontakt zum irakischen Journalisten Muntadhar az-Zaidi zustande. Gegen die Bezahlung von umgerechnet 7600 Euro (Baydan’s gesamten Werbebudget für 2009 und 2010) erklärte sich dieser bereit, zwei Schuss Modell Nr. 271 gegen Bush zu feuern. Bis az-Zaidi von seinem fürstlichen Honorar (als Reporter müsste er dafür zwei Jahre lang arbeiten) Gebrauch machen kann, geht es aber noch eine Weile: Er sitzt für drei Jahre im Gefängnis.

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